Programm Großstadtsinfonie

Großstadtsinfonie

Programminfo:

Der Autor Hendrik Neukirchner präsentiert gemeinsam mit dem Gitarristen Thomas Schlauraff und dem Schlagzeuger und Videokünstler Alexander Keiner eine multimediale Leseperformance, welche die Zuhörer durch einen zwischenmenschlichen Dschungel der Gefühls- und Lebenswelten führt. Bewusst verläuft sich das szenische Programm in einem emotionalen Irrgarten aus Liebe, Sex, Sucht, Perversion, Gewalt, Hass, Abhängigkeit, Frieden, Krieg, Leben und Sterben. Melancholie und Enttäuschungen schwingen konträr zu Lebensfreude und Hoffnung und versetzen den Zuhörer unmittelbar in eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aus individuellen Dramen erwachsen Katastrophen zwischen Mann und Frau, die sich konfliktartig steigern und eine Welt in Brand setzen, die gleichsam globalisiert wie einsam ist, nach Vollendung durch Wachstum strebt und dabei das vergisst und negiert, was das Leben lebenswert macht – die Liebe.

Neukirchners Gedichte, Geschichten und Fragmente liefern die Schienenstränge des Programms, über die die literarischen Rollercoasterwagons hinweg jagen, Gräßers mal leise träumende, mal überspannt schwingende Geige gibt Halt und Sicherheit für die hin und her gerissenen Insassen. Eingespielte Videosequenzen, Gitarre, Schlagwerk und elektronische Soundflächen bilden die visuelle und akustische Kulisse der multimedialen künstlerischen Achterbahnfahrt.

Das sagen die anderen

„Der bekannte Literat und Lektor Neukirchner aus Suhl zeichnete mit seinen Künstlerkollegen in seiner audiovisuellen Lesung einen scharfen Kontrast zwischen unterhaltenden Gedichten und Geschichten, die unter die Haut gingen. So beispielsweise von schleichenden Trennungen zwischen Paaren, die sich eigentlich lieben, aber „Liebe ist auch immer Arbeit“. Ohne Pause holten Neukirchner, Schlauraff und Keiner das Publikum aus dem Tief und schickten sie wieder auf ein Hoch, wenn etwa das Thema auf witzige und unverblümte Art auf Frauen kam, die sich in viel zu enge Hosen quetschen.

(Meininger Tageblatt, 24.09.2018)

„Neukirchners düstere Visionen strotzen nur so vor brutalen, schockierenden und schrägen Wortassoziationen, die den Reiz der Texte ausmachen. Das Ganze ist quasi weniger als die Summe seiner Teile: Ausdrücke wie „flambiertes Asylantenheim in Champagnersoße“, das Beschreiben der Finanzkrise als „einen gewaltigen Furz“ oder jene Zeile darüber, wie sich der Protagonist ein „Klistier aus Brennstoffzellen und Rubinen meterweit“ in die umgangssprachlich bezeichnete Körperöffnung „rammte“, hinterlassen beim Publikum bleibenden Eindruck.“

(Freies Wort: 14.09.2009)

Ein multimediales Programm aus Literatur, Video und Musik, dem man sich nur schwer entziehen kann: albtraumhaft, unnachgiebig und kompromisslos. (…) Harter Tobak für ein „Normalo-Publikum“, das womöglich noch Humor und Belustigung oder Satire erwartet hat. (…) Er, der Wort- und Stimmgewaltige, im krassen Gegensatz zum ruhenden Gegenpol, dem Gitarristen Thomas Schlauraff, dessen knorrigen bisweilen atmosphärischen Riffs nicht einfach nur Beiwerk zu den schlauen, zynischen Texten sind. Sondern gleichsam über sich selber hinauswachsend und oft über die Schmerzgrenze hinausgehend – seine im Wechsel melodiösen wie verstörenden Arrangements auf der E-Gitarre und diversen Soundverzerrern…. (Obermain-Tageblatt, 19.06.2017)

„Neukirchner ist bekannt dafür, mit seinen Texten anzuecken und zum Nachdenken anzuregen. Alltäglichkeiten werden dabei oftmals bis ins Extreme stilisiert. Liebe, Hass, Freude, Hoffnung, Chaos, Anarchie, Krieg, Natur, Irrsinn, Starre, Bewegung, Stillstand, Terror, Sex, Erinnerung, Fantasie, Glaube, Trauer – all dies sind Themen, die der Zuhörer in Neukirchners Texten wieder finden kann. Seine Sprache nutzt schöne Metaphern ebenso wie vulgäre Überzeichnungen.“ (Neue Presse: 01.11.2007)